We are happy to announce a talk by Marco Segata (Uni Trient) in the Historical Linguistics Colloquium. The talk will take place in person.

Date: 23.04.2026

Time: 2pm – 4pm c.t.

Place:  IG 2.201

Title:  „Das Trientnerdeutsch: Grundzüge einer Stadtsvarietät
zwischen Diachronie und Diatopie“

Abstract: 

Der Beitrag untersucht die Präsenz, Entwicklung und Weitergabe der deutschsprachigen Gemeinschaft in Trient vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit und beschreibt das Trientnerdeutsch als urbane Varietät in einem mehrsprachigen Grenzraum. Deutsch, Italienisch und Latein koexistierten dabei in funktionaler Verteilung.

Seit dem 12. Jahrhundert entstand die Gemeinschaft durch Migrationsbewegungen, zunächst im Bergbau, später in Handwerk und Handel. Trotz Integration in die Stadt bewahrte sie ihre sprachliche Identität und entwickelte eigene urbane Sprachformen.

Eine zentrale Rolle spielten Bruderschaften, insbesondere die Hauerbruderschaft, die als institutioneller Rahmen das Deutsche als Verwaltungs- und Schriftsprache festigte.

Die Analyse basiert auf einem Korpus aus dem 15. und 16. Jahrhundert (Statuten, Verwaltungsbücher, notarielle Texte), im Frühneuhochdeutschen, das eine diachrone Rekonstruktion der Sprachpraxis ermöglicht.

Das Trientnerdeutsch erscheint als kontaktgeprägte Stadtsvarietät: Lexikalische und morphologische Interferenzen sind funktionale Anpassungen an Mehrsprachigkeit. Im 18. Jahrhundert führte Assimilation und geringere Migration zum Rückgang der Gemeinschaft und zum Abbruch der Sprachweitergabe, was die Bedeutung sozialer und institutioneller Strukturen für die sprachliche Vitalität verdeutlicht.